Abell 2744 – QS01

Jüngste Entdeckung eines supermassereichen Schwarzen Lochs durch das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) und die Schlussfolgerungen daraus lassen einem dem Atem stocken und über den Beginn von allen neu nachdenken.

Von Uwe Altemoller – June 2026

Oberseite des JWWT; Quelle Wikipedia.de – James-Webb-Weltraumteleskop

Wow – da gibt es in der in den Weiten des Universums supermassereiche schwarze Löcher von gigantischen Ausmaßen. Abell 2744 -QSO 1 (kurz QSO1) ist so ein Riesending. Es hat die Maße von 50 Millionen Sonnenmassen, also: Die Masse unserer Sonne (riesig) und dann 50 Millionen (Super- riesig).

Über ein Jahrhundert glaubten Astronomen, die grundlegende Abfolge der kosmischen Entwicklung zu kennen. Am Anfang war der Big Bang. Aus der Ursuppe des Big Bang formierten sich die Galaxien. Innerhalb dieser Galaxien starben Im Laufe der Zeit die massereichen Sterne und kollabierten zu schwarzen Löchern. Über Milliarden Jahre wurden die schwarzen Löcher von der umgebenden Materie gefüttert und wurden so immer schwerer und schwerer.

Supermassive Schwarze Löcher standen am Anfang von allem?

Das JWST hat nun Löcher in diese Theorie geschlagen. Es hat ein supermassereiches schwarzes Loch QSO1 gefunden, das älter als die ersten Galaxien ist. QSO1 existiert, darauf deuten die Daten des JWST hin, seit 13 Milliarden Jahren und entstand damit 700 Milliarden Jahren nach dem Big Bang. Das supermassive schwarze Loch war von Anfang an so groß und hat sich damit ohne eine Phase des Sternenkollaps und ohne eine wesentliche massereiche Wirtgalaxie entwickelt.

„Diese Schlussfolgerung basiert auf detaillierten Beobachtungen von Abell2744-QSO1 (QSO1), einem prototypischen Little Red Dot.“ (1)

Abell 2744 im Sternhaufen Pandoras; Quelle ESA. Der kleine rote Punkt führt zu QSO1. Little Red Dot Abell2744-QSO1 (NIRCam Image)

Kepler-Bewegungen des umgebenden Gases lassen Ausmaße des Schwarzes Loches erkennen.

Das schwarze Loch selbst kann man nicht messen, aber die Gase und die Materie, die es umkreisen, lassen sich beobachten. QS01 wird von einer Wolke aus leuchtendem Wasserstoff und Heliumgas umkreist. Die gravitative Wirkung des Schwarzen Loches auf das Gas kann das JWST mit dem Intergral Field Unit am NIRSpektrograph messen und kartieren. So konnte man feststellen: Die Rotationsgeschwindigkeit in Abhängigkeit vom Abstand zum Zentrum der Bewegung stellt eine saubere und klare Keplerbewegung dar. Und die Masse des Schwarzen Loches konzentriert sich um das Zentrum. Wäre die Masse stärker verteilt, würde das Gas diese perfekte Keplerrotation nicht aufweisen.

Über die Keplerbewegungen, die den einfachen Gesetzen der Gravitation folgen, kann man die Geschwindigkeit der Gase nutzen, um die Masse des Schwarzen Lochs zu berechnen. Ergebnis ist, dass das schwarze Loch eine Masse von 50 Milliarden Sonnenmassen hat. Zwei Drittel der Masse konzentrieren sich dabei auf das Zentrum von QSO 1. In einer normalen Galaxie macht die Masse des Schwarzen Loches nur einen geringen Anteil an der Gesamtmasse der Galaxie aus. Spektrographische Messungen ergaben weiterhin, dass die Metallizität gering ist (kleiner als 0,5% der Sonnenmetallizität). Da schwere Elemente (= hohe Metallizität) nur in Sternen gebacken werden, deutet die geringe Metallizität daraufhin, dass die Umgebung von QS 01 aus junger, unberührter Materie aus Zeiten des Beginns des Kosmos besteht. QS 01 war von Anfang an Teil des Beginnes des Kosmos, ohne durch eine jahrmilliardenlange Entwicklung der Materie gegangen zu sein. Schwarze Löcher standen am Beginn des Kosmos und waren ein Teil von ihr. Sie standen damit am Anfang aller kosmischen Entwicklung und waren der Gravitationsanker, um den sich Galaxien zusammenfügen konnten. Schwarze Löcher haben Galaxien erschaffen, und die Sterne einer Galaxie erschaffen am Ende ihrer Entwicklung wieder schwarze Löcher.

Natürlich müssen diese Schlussfolgerungen erst noch durch weitere Beobachtungen verifiziert und ausgebaut werden. Aber wir befinden uns einer aufregenden Zeit der astronomischen Entdeckungen. Die Antwort auf allen ist vielleicht doch nicht 42.

Quellen:

JWWST – Substrack: What If Black Holes Came Before Galaxies?

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